Xyna Konferenz 2019

Video Rückblicke

"Short Review"

Ein Rückblick auf die Xyna Konferenz 2019 des GIP Research Institutes am 21.11.2019 im Kurhaus, Wiesbaden.

"Innovation im Dialog"

Dr. Bernd Reifenhäuser und Petra Florin diskutieren im Eröffnungsvortrag der Xyna Konferenz 2019 über den Begriff Innovation, getreu dem Konferenz-Thema "Innovations Beyond Computing".

2019 – Innovations Beyond Computing

14. Xyna Konferenz  21.11.2019 im Kurhaus, Wiesbaden

Von Leonardo da Vinci bis zum DNA-Computing

Bei der 14. Xyna-Konferenz drehte sich alles um Innovationen

Mainz/Wiesbaden – Wie entstehen neue Ideen? Wie wird die Synthetische Biologie unser Leben verändern? Was kennzeichnet Soziale Innovationen? “Innovations Beyond Computing“, so lautete das Motto der 14. Xyna-Konferenz des Mainzer Softwarehauses GIP AG. Über 250 Gäste aus der Telekommunikations- und IT-Branche trafen sich am 21. November 2019 im Wiesbadener Kurhaus, um sich über das Thema zu informieren und auszutauschen. „Innovationen sind die DNA unseres Unternehmens“, so GIP-Vorstand Dr. Bernd Reifenhäuser. „Deshalb lag nichts näher, als sie zum Thema unserer Konferenz zu machen.“

Dr. Bernd Reifenhäuser und Petra Florin eröffnen die Konferenz

„Wer wirklich Neues schaffen will, muss etwas verrückt sein“

Innovationen neu denken

Wie entstehen neue Ideen? Mit dieser Leitfrage eröffnete Dr. Bernd Reifenhäuser seinen Vortrag über Innovationen. „Wer wirklich Neues schaffen will, muss etwas verrückt sein“, zitierte er den Physiker und Nobelpreisträger Niels Bohr. Die Neigung des menschlichen Gehirns, bei der Lösung von Problemen in den bewährten Denkbahnen zu bleiben, machte Reifenhäuser als größtes Innovations-Hindernis aus. Diese so genannte Pfadabhängigkeit lasse sich aber durch eine interdisziplinäre Herangehensweise überwinden. Das machte er am Beispiel des Universalgenies Leonardo da Vinci deutlich, der als Maler und Bildhauer berühmt wurde, aber auch ein herausragender Ingenieur und Wissenschaftler war. Auch das Bauhaus verknüpfte verschiedene Disziplinen, darunter Architektur, Möbelbau, Malerei und Textilgestaltung, und schuf damit eine ganz neue Stilistik.

Von der Verknüpfung zweier ursprünglich weit entfernter Disziplinen, nämlich der Computertechnik und der Synthetischen Biologie, erwartet Reifenhäuser einen Technologiesprung. „DNA-Computing wird sich in den nächsten zehn Jahren immer weiterentwickeln und ein vollkommen neues Feld eröffnen“, sagte der GIP-Vorstand voraus. Einsatzgebiete sieht er in verschiedenen Bereichen, darunter Energie, Pharmakologie, Medizin, Landwirtschaft und Umwelt. „Wir haben hier auf einmal einen Werkzeugkasten, mit dem wir die Probleme beheben können, die wir durch den Klimawandel bekommen werden“, so Reifenhäuser. Das werde eine Revolution auslösen, wie es das Internet getan habe.

Prof. Dr. Karl-Heinz Friedrich (Biochemiker an der Universität Jena)

„Synthetische Biologie kann Strukturen und Systeme schaffen, die es in der Natur nicht gibt“

Synthetische Biologie: vom künstlichen Blut bis zum Datenspeicher

Welches enorme Innovationspotenzial in der Synthetischen Biologie steckt, vertiefte der Biochemiker Karl-Heinz Friedrich, Professor an der Universität Jena. Sein Vortrag begann mit einem Streifzug durch die Geschichte der Genforschung, die 1953 mit der Entdeckung der DNA-Doppelhelix begann. Seitdem hat sich das Forschungsfeld ungeheuer weiterentwickelt. Inzwischen ist es möglich, Bakterien mit einem komplett synthetischen, also von Menschen hergestellten Erbgut auszustatten, die sich wie natürliche Organismen vermehren. Selbst künstliches Leben ist keine Utopie mehr. „Synthetische Biologie kann Strukturen und Systeme schaffen, die es in der Natur nicht gibt“, sagte Friedrich. In Zukunft würden gentechnisch veränderte Bakterien eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen, vom Abbau giftiger Substanzen bis zur Herstellung von künstlichem Blut oder maßgeschneiderten Immunzellen, die bei der Bekämpfung von Krankheiten eingesetzt werden können.

Die DNA lässt sich aber auch nutzen, um Daten zu speichern. Statt auf binäre Weise verschlüsselt die DNA Informationen mit einem vierfachen Code, der sich durch die vier DNA-Basen ergibt. Dadurch ist die Datendichte mehrere 1000 Mal höher als bei bisher benutzten digitalen Speichermedien. „Ein Gramm DNA, ungefähr ein Teelöffel voll, könnte theoretisch 100 Petabyte an Information speichern“, so Friedrich. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu digitalen Speichermedien ist DNA sehr stabil – was sich daran zeigt, dass jahrtausendealte DNA von Neandertalern oder Mammuts sich heute noch auslesen lässt. Manche Experten gehen davon aus, dass DNA in etwa zehn Jahren ein Standard-Speichermedium sein wird.

Professor für Betriebswirtschaft Dr. Erk Piening

Social Innovations: Ein neuer und erweiterter Blick auf zukünftige Innovationen

Social Innovations

Dr. Erk Piening, Professor für Betriebswirtschaft an der Uni Mainz, referierte über Soziale Innovationen. Dabei geht es um die Lösung sozialer Probleme, z.B. in den Sektoren Gesundheit, Umwelt, Armut etc., für die – oft wegen mangelnder Ertragsaussichten – keine Privatunternehmen zur Verfügung stehen. In die Bresche springen soziale Unternehmer, Stiftungen oder andere Organisationen, die sich des Problems annehmen. Beispielhaft berichtete Piening von einem Projekt der Bill-Gates-Stiftung, bei der in Stadtteilen ohne Abwassersystem menschliche Exkremente entsorgt und zu Dünger verarbeitet werden. Eine bekannte soziale Innovation ist die Grameen-Bank in Bangladesch, die Mikrokredite an mittellose Handwerker vergibt. Die Initiative „Discovering Hands“ setzt Blinde für die Brustkrebsprophylaxe ein. Soziale Innovationsprozesse, so Piening, benötigen spezielle Förderung, um erfolgreich zu sein.

Impulsvortrag "Quantum Grid"

mit Eduard Esau (Uni Mainz)

Quantum Grid: dezentrale Stromversorgung für Afrika

Ein weiteres Beispiel einer technologiebasierten sozialen Innovation ist das „Quantum Grid“, das die GIP entwickelt hat und für das sie in vielen Ländern Patente hält. Dabei handelt es sich um ein dezentrales Stromnetz. Analog zum Internet finden kleine Strompakete selbstständig ihren Weg durch die Leitungen – und zwar auch in Gebiete mit unterschiedlicher Spannung oder Frequenz, erläuterte Bernd Reifenhäuser. Im Quantum Grid verknüpfen spezielle Router Teilnetze untereinander. Somit benötigt das Netz keine zentrale Steuerung mehr und wäre auch für kleinste Energieerzeuger offen, beispielsweise einzelne Solaranlagen oder Windräder.
Ideal wäre ein solches Netz für viele Regionen Afrikas, in denen es keine flächendeckenden Stromnetze gibt. „Ein Unternehmen in Subsahara-Afrika braucht ungefähr 130 Tage, bis es einen Stromanschluss bekommt. Und danach ist wegen Stromausfällen etwa 700 Stunden im Jahr kein Strom verfügbar“, erläuterte Eduard Esau vom Lehrstuhl für Organisation und Unternehmensführung der Uni Mainz. Die mangelnde Stromversorgung blockiere die Entwicklung in Afrika. Das Quantum Grid, so Bernd Reifenhäuser, könne das Stromproblem effektiv lösen. Damit wäre jedes Dorf in der Lage, seine eigene Stromversorgung einfach und zuverlässig zu organisieren. So entstünden vor Ort neue Betriebe, Jobs und Internetanbindungen, die wirtschaftliche Situation würde sich dauerhaft verbessern.
Im Xyna-Café hatten die Besucher die Gelegenheit, sich ein konkretes Bild vom Einsatz des Quantum Grid zu machen. Mit einer Datenbrille auf dem Kopf konnten sie virtuell in ein afrikanisches Dorf reisen und dort die verschiedenen Komponenten des Stromnetzes – von der Solaranlage bis zum Akku – kennenlernen.

Dr. Alexander Ebbes (CTO & CEO der GIP Exyr GmbH)

Xyna Phi Factory und weitere Xyna Innovations

Xyna Innovations

Dr. Alexander Ebbes, Geschäftsführer der GIP Exyr GmbH, gab einen Einblick in aktuelle Produktentwicklungen der Xyna-Software. Außerdem stellte er das Junior Fellow Program der GIP vor, ein Förderprogramm für die Fachkarriere. „Innovationen brauchen Innovatoren“, unterstrich Ebbes. Deshalb erhalten Junior-Fellow-Kandidaten der GIP die Möglichkeit, neben ihrem Tagesgeschäft eigene Projekte zu konzipieren und durchzuführen. Erfolgreiche Kandidaten werden als Fellow am Unternehmen beteiligt.

Diverse Workshops rundeten das Angebot ab, das am Abend mit der traditionellen Xyna-Party zu Ende ging.

Agenda & Sprecher der Xyna Konferenz 2019

  • 14:15 – 15:00

    Dr. Alexander Ebbes
    GIP Exyr GmbH
    Xyna Innovations

  • 15:00 – 17:00

    Xyna Café
    Quantum Grid Land: Gamification & Innovation // Xyna Demos // Ideenkonferenz // Kaffee & Kuchen

  • 17:00 – 17:30

    Dr. Bernd Reifenhäuser
    GIP AG
    Re-Thinking Innovations Beyond Computing

  • 17:30 – 18:00

    Prof. Dr. Karl-Heinz Friedrich
    Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Synthetische Biologie: Ein Quantensprung, der die Welt verändert?

  • 18:00 – 18:30

    Prof. Dr. Erk Piening
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    Social Innovations: Ein neuer und erweiterter Blick auf zukünftige Innovationen

  • 19:00

    Xyna Party
    Dinner-Buffet & Drinks